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Was mir das Schweigen gebracht hat

Schweigen auf Mallorca

Im Zuge meiner Yoga Ausbildung auf Mallorca haben wir jeden Mittwoch einen Schweigetag. In der ersten Ausbildungswoche hatte ich extreme Angst vor diesem Tag. Es stellte sich heraus, dass ich wirklich viele Emotionen in mir hatte, die ich im Alltag einfach unterdrück hatte. Letztes Jahr kam dann alles wie eine große Welle über mich geschwappt. Ich konnte fast nichts anderes machen als den ganzen Tag zu weinen. Passend dazu war das Wetter regnerisch und trüb.

Ab diesem Zeitpunkt habe ich jede Minute verflucht, die ich hier schweigend verbringen musste. Dazu kam das Sitzen am Tisch mit anderen Menschen ohne auch nur ein Wort miteinander auszutauschen. Jeder, der mich kennt weiß, dass ich Essen liebe und gerade das Gesellige beim Essen sehr schätze. Kommen Freunde vorbei, ist die größte Freude das Zusammenkommen zu Tisch mit gutem Essen und einem guten Glas Wein. Ihr könnt euch vielleicht nun vorstellen welche Form von Gefühlsachterbahn ich während des Essens gefahren bin. 

Jetzt gerade sitze ich wieder hier auf Mallorca am Schweigetag. Heute bin ich dankbar für diesen speziellen Tag in der Woche. Es ist wie ein Urlaub mit dir. Du setzt dich hin und beobachtest einfach nur. Deine Gespräche laufen an diesem Tag eben nur mit dir ab. Heute zum Beispiel habe ich festgestellt, dass ich die Kaki Frucht verdammt lecker finde und beschlossen diese ab sofort öfters in meinen Speiseplan einzubeziehen. Der Geschmack ist auf einmal viel intensiver und voller.

Ich habe mir überlegt wie ich mein Yogazimmer etwas besser gestalten kann, um meine Fotos besser zu schießen. Aber noch etwas viel wichtigeres ist mir aufgefallen: meine Art über mich zu denken ist sanfter während dieser Zeit des Schweigens. Ihr kennt sicherlich die Situation während eures Alltags.

Ein Tag oder ein Moment läuft nicht so, wie ihr es gerne gehabt hättet. Alles läuft schief, es ist der Wurm drin und ihr fühlt euch dementsprechend schlecht. Das Karussell beginnt sich zu drehen. Die Gedanken kreisen über dich, die Situationen oder über andere Menschen. Du beginnst zu verurteilen: „hätte ich in diesem Moment doch nur“ oder „wie blöd war ich da nur“ usw. doch letztendlich ist der Moment vorbei.

Ändern kannst du ihn nicht mehr. Anstatt sich selber zu verurteilen wäre es doch eher angebracht all das, was einen gestört hat vor dem geistigen Auge Revue passieren zu lassen, um aus der erlebten Situation zu lernen und zu verstehen anstatt sich zu verurteilen und so hart zu sich selber oder sogar anderen zu sein. An diesem speziellen Mittwoch habe ich mehr Nähe zu mir selbst erfahren als je an einem anderen Tag zuvor. Du beginnst zu verstehen und kommst zur Ruhe. Hier meine ich nicht, dass du keine Gedanken hast. Ganz im Gegenteil aber du beginnst diese nicht mehr steuern zu wollen sondern kannst dich vollkommen dem Wechselspiel hingeben und das urteilsfrei.

Ich für mich habe beschlossen diese Form des zu mir Findens in meinen Alltag einzubauen. Mir ist natürlich bewusst, dass es Zuhause oder im Alltag an sich schwerer ist und sicher nicht ansatzweise den gleichen Effekt hat wie bei meiner Ausbildungsgruppe. Doch wenn ich allein Zuhause bin werde ich nicht den Fernseher anmachen oder im Internet surfen. Ich möchte bei mir bleiben um wieder eine Verbindung zu mir aufzubauen. Ich wünsche mir, dass ihr auch einmal die Erfahrung des Schweigens machen könnt. Es wird schmerzhaft werden und ja du wirst weinen, es werden Emotionen hoch kommen von denen du dachtest sie seien nicht mehr da. Aber am Ende wirst du dich befreit fühlen. 

Solltet ihr den Schweigetag für euch das erste Mal planen so ist es ratsam dies nicht allein durchzuziehen. Bitte nehmt diese Form des Experiments sehr ernst. Holt euch Hilfe, solltet ihr diese benötigen.

Solltet ihr Fragen zu dem Tag haben so könnt ihr mich gerne jederzeit anschreiben oder schaut bei einem meiner Kurse vorbei.

Namasté 

Pia 

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